Damit es uns gut geht, müssen wir immer wieder im Leben unsere Grenzen bestimmen – und einfordern. Das betrifft alle möglichen Lebensbereiche: wie viel Zeit und Einsatz bin ich bereit für meinen Beruf zu geben, wie nahe lasse ich andere emotional an mich heran, was ist für mich in einer sexuellen Beziehung mit einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation ok.
Die Verantwortlichkeit dafür, dass unsere Grenzen eingehalten werden liegt damit im allerersten Schritt bei uns selbst. Wir sind dafür verantwortlich, unsere eigenen Grenzen festzulegen: was erlauben wir (uns und anderen), was ist uns wichtig, wo erlauben wir Ausnahmen und wie weit gehen diese, wo ist wirklich unsere letzte Grenze.
Das heißt nicht, dass ich alle Antworten für immer festlegen muss. Es heißt nur, dass ich für die aktuelle Situation für mich selbst weiß, womit es mir gut geht. Erst dann kann ich meine Grenzen nach außen kommunizieren und sollte das auch tun, wenn diese Gefahr laufen, verletzt zu werden, damit auch mein Gegenüber Bescheid weiß.
Das hat für mich nicht nur etwas mit Verantwortung zu tun, sondern vor allem mit der Macht und der Fähigkeit, über das eigene Leben selbst zu entscheiden und es gemäß der eigenen Werte und Ziele selbst zu gestalten.
Je nach Kontext kann das in der Umsetzung ganz unterschiedlich aussehen. Während wir im freundschaftlichen Gespräch eher selbst sagen, wenn wir über ein Thema nicht sprechen möchten, liegt bei sexuellen Handlungen die Verantwortung klar bei der Person, die „etwas möchte“, die Grenzen bzw. das Einverständnis aktiv zu erfragen. Die Verantwortung, diese Grenzen bzw. Ablehnung zu akzeptieren und einzuhalten – und zwar ohne Diskussionen – liegt dann allerdings uneingeschränkt bei der anderen Person, egal in welchem Zusammenhang!
"Bei der Wahrung von Grenzen geht es darum, der Torwächter deines Lebens zu sein, um dich selbst sicher und wohl zu fühlen. Stell dir vor, du wärst eine Burg mit Eingangstor, Graben und Zugbrücke, die du nach Belieben öffnen oder schließen kannst."
MORGAN SCOTT PECK
Dieser Text ist im Rahmen meiner persönlichen Mai-Challenge entstanden, jeden Tag mindestens einen kurzen Text auf dem Blog zu schreiben. Als „Prompt“ verwende ich die aktuelle Kalenderseite von meinem Abreißkalender von „Ein guter Tag“ (große Empfehlung übrigens:)).
Inspiriert wurde das ganze von Astrid Engels Idee, sich im Mai eine Challenge zu setzen, die schon lange auf der To-Want-Liste steht, aber nie so richtig geklappt hat.