Wie ich Feminismus für mich definiere

"Feminism: The radical notion that women are people."
Marie Meiselman Shear

Über Feminismus wird viel gesprochen, häufig auch abschätzig und als handle es sich um eine nervige Idee von unzufriedenen Spinnern. Und auch unter denen, die sich positiv dazu äußern, ist das Verständnis, was Feminismus bedeutet, sehr unterschiedlich.

Obiges Zitat fasst mein persönliches Verständnis von Feminismus sehr gut zusammen. Wie ich an diesen Punkt kam, habe ich an anderer Stelle bereits erzählt.

Feminismus als Grundrecht

Der Kern von Feminismus, wie obiges Zitat ihn beschreibt, ist, dass der Wert eines Menschen unabhängig von seinem Geschlecht ist. Das entspricht nicht nur meiner persönlichen Grundüberzeugung, dass jeder Mensch gleich viel wert ist ungeachtet seines Geschlecht, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung, sondern auch einer der wichtigsten Grundlagen unserer Gesellschaft (Grundgesetz und so…).

Dass die Vorstellung, dass Frauen (gleichwertige) Menschen sind, in obigem Zitat als „radikal“ bezeichnet wird, macht auf eine große Diskrepanz zwischen Grundgesetz und gelebter Realität aufmerksam. Ganz abgesehen davon, dass Frauen in immer noch zu vielen Ländern nicht einmal theoretisch gleichberechtigt sind und es auch hier bis vor nicht all zu langer Zeit nicht waren.

Der Wert eines Menschen

Vor kurzem habe ich einen interessanten Blogartikel zum Thema Feminismus und Christentum gelesen. Besonders folgende Überschrift schlägt in die gleiche Kerbe wie das Eingangszitat „Die Würde der Frau liegt in ihrem Mensch-Sein“.

Im folgenden Abschnitt geht es darum, wie häufig aber in der Realität der Wert von weiblich gelesenen Personen von ihrer Gebärfähigkeit oder stereotypisch weiblichen Eigenschaften abhängig gemacht wird.

Das hat mir nochmal eine andere Perspektive der systematischen Ungleichheit von Menschen in unserer Gesellschaft bewusst gemacht. Denn dieses Abhängigmachen des Wertes eines Menschen erleben nicht nur Frauen, sondern auch andere marginalisierte Gruppen. Denken wir nur an den „guten“ Immigrant oder Geflüchteten (einer, der arbeitet und nicht auffällt) und all die „schlechten“ (alle anderen). Dass es hier eigentlich um Menschen geht, die aus unterschiedlichsten Gründen aus ihrer Heimat geflohen sind und nun primär Schutz (i.S. von ein Leben ohne Gefahr von Tod oder Verfolgung) suchen, wird da schnell vergessen. Das ist eigentlich ein anderes Thema, zeigt aber, wie in unserer Gesellschaft der Wert von Menschen bemessen wird und dass eben nicht das Menschsein alleine reicht, um allen Menschen den selben Wert zuzusprechen.

In unserer Gesellschaft wird zuerst nach dem „Nutzen“ eines Menschen gesucht und davon wird abhängig gemacht, wie viel Rechte wir ihm zugestehen. Wenn dieser vermeintliche Nutzen sich dann auch noch nicht in Zahlen – wie zum Beispiel Wirtschaftskraft – messen lässt, sieht es für viele Menschen schlecht aus. Das betrifft dann auch schnell die teilzeit-erwerbsarbeitenden, Sorgearbeit-verrichtenden Frauen oder solche, die nicht in irgendein anderes von Patriarchen definiertes Maß für einen guten Bürger oder eben eine gute Frau passen.

Intersektionaler Feminismus könnte die Lösung sein

Genau deshalb braucht es Feminismus.

Und zwar den Feminismus, der nicht ausschließt und unterschiedliche marginalisierte Gruppen gegeneinander ausspielt. Sondern einen Feminismus, der wirkliche Gleichberechtigung fördert. Das ist meiner Meinung nach der intersektionale Feminismus, der nicht nur Ungleichheit auf Grund des Geschlechts, sondern alle Formen systematischer Ungerechtigkeit und Unterdrückung in Betracht zieht.


Dieser Text ist im Rahmen meiner persönlichen Mai-Challenge entstanden, jeden Tag mindestens einen kurzen Text auf dem Blog zu schreiben.

Inspiriert wurde das ganze von Astrid Engels Idee, sich im Mai eine Challenge zu setzen, die schon lange auf der To-Want-Liste steht, aber nie so richtig geklappt hat.

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